Seit Anfang 2004 beschäftigten wir uns mit dem Leitbild der JVA Schwerte. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter hatte Ge­leg­enheit, in diesem Prozess aktiv mitzuarbeiten und hat diese Mög­lich­keit auch im ständigen Prozess. Wir haben mit dem Leitbild eine gemeinsame Verabredung auf Zielsetzungen und hand­lungs­leit­ende Werte getroffen. Mit dem Inkrafttreten des Straf­voll­zugs­ge­setz NRW ist der Blick auf die Schutz - und Informationsrechte von Tatopfern als eine weitere Zielsetzung des Straf­voll­zugs­ge­setzes formuliert worden. Diese Ausrichtung ist in unsere Fort­schreibung des Leitbildes aufgenommen worden.

Die Diskussion über Prioritäten, Ziele Werte und Berufsethik setzen wir fort, messen uns an unserem Leitbild und lassen uns daran messen.


Gabriele Harms
Leiterin der JVA Schwerte


Schwerte im Januar 2016


Leitbild der JVA Schwerte

Präambel

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Justizvollzugsanstalt Schwerte sehen sich der Zielrichtung einer am Grundgesetz ausgerichteten Vollzugsarbeit verpflichtet, wonach "dem Gefangenen Fähigkeiten und Willen zu verantwortlicher Lebensführung vermittelt werden" sollen. "Er soll es lernen, sich unter den Bedingungen einer freien Gesellschaft ohne Rechtsbruch zu behaupten, ihre Chancen wahrzunehmen und ihre Risiken zu bestehen."
(BverfGE 40, 276 ff. [284])

Die Justizvollzugsanstalt Schwerte ist eine Anstalt des geschlossenen Vollzugs für erwachsene Männer und zuständig für die Vollstreckung von Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu zwei Jahren sowie für die Vollstreckung von Freiheitsstrafen von mehr als zwei Jahren entsprechend dem Ergebnis des Einweisungsverfahrens.

Gefangenenbezogene Ziele:

  • Wir unterstützen die Gefangenen, fähig zu werden, ein straffreies Leben in sozialer Verantwortung zu führen.
  • Wir nehmen den einzelnen Gefangenen in seiner ganzen Person wahr, begegnen seinen Möglichkeiten und Problemstellungen adäquat und geben ihm den nötigen Raum zur persönlichen Entwicklung.
  • Wir machen den Gefangenen auf der Basis unserer Profession bedarfsorientierte und möglichst vielseitige Angebote im Rahmen unserer Ressourcen.
  • Diese Angebote sollen darauf ausgerichtet sein, sie in die Lage zu versetzen, ihre Angelegenheiten und Problemstellungen selbst zu bearbeiten, zu ordnen und zu regeln, sowie sie für gegenseitige Hilfsbedürftigkeit zu sensibilisieren.
  • Wir schaffen für diesen Prozess den Rahmen eines konstruktiven Klimas für das Zusammenleben.
  • Wir haben klare Regeln und Strukturen in der notwendigen Beweglichkeit. Wir begegnen den Gefangenen offen, verlässlich und verantwortungsvoll.
  • Dazu gehört für uns auch das Ernstnehmen einer Fürsorgepflicht den Gefangenen gegenüber.

Gesellschaftsbezogene Ziele:

  • Wir betrachten die Öffentlichkeit als Gegenüber und Ziel unserer Arbeit.
  • Wir informieren über unsere Arbeit und unsere Ziele, vermitteln ein realistisches Bild vom Justizvollzug und wirken so Vorurteilen und realitätsfremden Vorstellungen von Justizvollzug korrigierend entgegen.
  • Wir sehen uns dem Sicherheitsinteresse der Allgemeinheit verpflichtet, indem wir durch die Arbeit mit Tätern die Zahl weiterer Opfer reduzieren.
  • Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten wir auch mit anderen öffentlichen Stellen und Institutionen zusammen.
  • Gegenüber extremem Gedankengut stehen wir für das Grundgesetz ein.
  • Wir gehen mit den uns anvertrauten Mitteln kosten- und umweltbewusst um.
  • Wir stellen uns den gesellschaftlichen Veränderungen, in dem wir unsere Organisation und unsere Maßnahmen weiter entwickeln.
  • Wir sind uns der Notwendigkeit hoher Aufwendungen für den modernen Strafvollzug bewusst und vermitteln dies der Öffentlichkeit.
  • Wir treten aktiv für die Weiterentwicklung unseres Berufsbildes ein.
  • Wir erwarten Anerkennung und Unterstützung unserer Arbeit durch Politik und Gesellschaft.
  • Wir verstehen die Leitbilddiskussion als einen ständigen Prozess.

Mitarbeiterbezogene Ziele:

  • Wir bringen unsere Kompetenzen, Fähigkeiten und persönlichen Stärken in unsere Arbeit ein und bleiben engagiert.
  • Wir geben und erhalten Lob und Anerkennung.
  • Wir sind offen für Kritik und bereit zur Selbstkritik.
  • Wir sind uns unserer Stärken und Schwächen bewusst.
  • Wir geben Raum für Individualität und gehen davon aus, dass der Einzelne die Gruppe bereichert.
  • Wir setzen uns für die persönlichen Rechte und die Schutzbedürftigkeit jeder einzelnen Mitarbeiterin und jedes einzelnen Mitarbeiters ein.
  • Wir übernehmen Verantwortung und geben Verantwortung ab.
  • Wir arbeiten kooperativ und informierend in offener und klarer Kommunikation zusammen.
  • Wir achten auf unsere Gesundheit und werden durch fördernde Maßnahmen darin unterstützt.
  • Wir sprechen Konflikte an und erwarten daraus keine Nachteile.
  • Vorgesetzte nutzen Kompetenzen. Sie fordern und fördern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
  • Wir initiieren Fortbildung und setzen die dadurch gewonnenen Erkenntnisse um.
  • Wir zeigen Eigeninitiative.
  • Durch geeignete strukturelle Maßnahmen fördern wir die Chancengleichheit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Opferbezogene Ziele:

  • Wir achten die besonderen Schutz- und Informationsansprüche der Opfer von Straftaten.
  • In unserer Arbeit achten wir darauf die Perspektive der Geschädigten einfließen zu lassen und deutlich zu machen.
  • Wir fördern die Entwicklung von Opferempathie durch geeignete Maßnahmen als ein Baustein der Erlangung sozialer Verantwortung.

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